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Reutlinger Wochenmarkt: „Essen im Glas“ und regionale Produkte

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Reutlingen. Sonniger Samstag. Wochenmarkt in Reutlingen. Dienstags und samstags sind sie da, die Marktbeschicker. Wenn im Frühjahr die Saison in Gärten und Gütle beginnt, auch donnerstags. Gemüse und Obst aus regionalem Anbau, Biolandware, Fisch, Geflügel, Wurst und Fleisch, kontrolliert und aus eigener Herstellung, das ist es, was die Wochenmarktbesucher sich hier wünschen.

Doch die Produkte sind längst nicht alles, was den Charme des Reutlinger Wochenmarkts ausmacht. Die Atmosphäre ist es, die Menschen haben Zeit für ein kleines Schwätzchen. Man trifft immer Nachbarn, Bekannte, Freunde. Unverhofft und überraschend. Und freut sich.

Man spricht über Rezepte, über das, was man gerne isst, das, weswegen man heute gerade hier ist, die Erfahrungen mit den verschiedenen Anbietern und was man wo findet.

Da gibt es Bioland-Bauern, die nicht nur regionales Obst und Gemüse anbieten, nicht nur das, was die Saison gerade hergibt, sondern auch das, was sonst noch im Rezept steht.

Holzofenbrot gibt es, Backwaren, die ganz typisch für die Region sind wie Mutscheln und Pasteten, Vollkornprodukte und andere leckere Dinge, die ohne Weizenmehl auskommen.

Metzgereien sind mit Ihren Ständen hier und bieten Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung an. Wild ist immer eine gute Sache. Das Leben der Wildtiere war artgerecht, stressfrei und ohne Pharmazeutik in der Ernährung.

Bio ist im Trend. Die Menschen, die über gesunde Ernährung nachdenken, werden mehr. Auch vegetarische und vegane Lebensweise findet immer mehr Zuspruch. Das ist auf dem Wochenmarkt deutlich zu spüren. Und die Anbieter reagieren auf den Trend. Am mediterranen Feinkoststand findet man Hummos, eine orientalische Spezialität aus Kichererbsen- und Sesam-Mus, was den Organismus gerade bei veganer Ernährung mit allem versorgt, was der Körper braucht.

Wer glaubt, gehaltvolle gesunde Ernährung mit frischen und regionalen Produkten und die schnelle Küche passe nicht zusammen, kann am Stand von Kerstin Anton sehen, dass es durchaus auch einfach geht. Sie bietet fertige Gerichte aus eigener Herstellung frisch zubereitet und wie früher in Einmachgläsern eingeweckt, mit und ohne Fleisch, vegetarisch oder vegan.

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„Manchmal möchte man sich doch einfach auch nur an den Tisch setzen“, sagt sie. „Frisch zubereitete Mahlzeiten sind aufwändiger als die schnelle Küche aus dem Supermarkt.“ Ihre Kunden kommen aus allen Lebensbereichen. Manchmal seien es Berufstätige, denen abends die Zeit fehlt, Gemüse zu putzen, zu schneiden und langsam und schonend köcheln zu lassen. Manchmal seien es ältere Leute, die selbst nicht mehr wie früher in der Küche stehen könnten, um sich ihr Gemüse aus dem Garten zuzubereiten. Manchmal hätten sich die Lebensumstände geändert, der Partner ist nicht mehr da. Nicht jeder hat dann noch Lust, nur für sich alleine zu kochen.

Für alle hat Kerstin leckere ausgewogene Mahlzeiten parat. Ihr „Essen im Glas“ sei etwa zehn Wochen haltbar, erzählt sie. „Meine Eintöpfe und Suppen sind genauso wie man sie zu Hause auch kochen würde.“

Margret Laube aus Kappishäusern ist inzwischen schon seit 40 Jahren mit Äpfel und Birnen aus ihren Streuobstwiesen, Kirschen, Kartoffeln und Nüssen, Hagebuttenmark und Honig auf dem Wochenmarkt. Vor ihr war ihre Mutter schon hier. „Marktfrauen haben bei uns Tradition“, erzählt sie augenzwinkernd. Ihr Erntejahr beginnt im Juni mit Kirschen, Äpfel gibt es bis kurz vor Ostern. Früher, erzählt sie, gab es an ihrem Stand nur eigenes Obst, aber inzwischen trägt sie der Nachfage Rechnung und bietet auch an, was sie selbst nicht produzieren kann. „Mir ist es aber wichtig, nur regionale Produkte anzubieten“, sagt sie.
Auch Margret Laube hat festgestellt, dass der Trend immer mehr zu den Dingen geht, die hier im Ländle wachsen und produziert werden. Und auch die Nachfrage nach alten Obstsorten steigt. „Als wir vor ungefähr zwanzig Jahren zum ersten Mal wieder Glockenäpfel und Goldparmäne an unserem Stand angeboten hatten, waren die Leute erstaunt, dass es diese Sorten noch gibt“, erzählt die Marktfrau. „Aber es gab sie immer. Wir haben sie nur deshalb nicht angeboten, weil sie keiner haben wollte“.

Der Wochenmarkt in Reutlingen steht für regionale Produkte in entspannter Atmosphäre für alle, die lieben, was die Heimat hergibt. Gestresste Kunden? Die sind woanders.

 

Categories:   Allgemein, Stadtgeflüster, Veranstaltungen

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