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ANTONIO SIMINA – HUGO BOSS

„Wir sind da, damit unsere Mitarbeiter im Job Vollgas geben können“ 

Er steht seit über 30 Jahren als Betriebsratsvorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrats an der Spitze des Weltkonzerns Hugo Boss und hat in dieser Zeit viel erlebt und bewegt. Antonio Simina wird dieses Jahr 60, hat Spaß an dem, was er tut und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Im IMPULS Interview erzählt er von dieser spannenden Zeit.

IMPULS: Herr Simina, Ihre Geschichte liest sich ein bisschen so wie die des Aufstiegs vom „Tellerwäscher zum Millionär“, wie man es in den USA beschreiben würde. Bitte erzählen Sie uns doch bitte Ihre Geschichte. 

SIMINA: Wo soll ich anfangen? Ich kam mit 16 Jahren nach Deutschland und habe 1976 bei Hugo Boss eine Ausbildung als Schneider gemacht. Ich weiß noch genau, wie ich meine ersten Anzüge für Nikki Lauda geschnitten habe. Er kam damals immer mit seinem Hubschrauber. Und wir haben alles mit der Schere angefertigt… Hugo Boss_1

Bei Hugo Boss gab es damals schon viele Italiener, Griechen, Türken und Jugoslawen, die kein gutes Deutsch sprachen. Jemand musste sich für sie und ihre Interessen einsetzen, und da ich schon immer sehr sozial engagiert war, habe ich diese Funktion übernommen und bin dann auch schnell Mitglied im Betriebsrat geworden. Damals war eine Frau Vorsitzende des Betriebsrats, ich erinnere mich noch genau, wie wir zusammen nach München zu einem Seminar gefahren sind, sie hat sich dort in einen Mann verliebt, den sie später auch tatsächlich geheiratet hat. Jedenfalls ist sie aufgrund ihrer Liebe zurück getreten und die Stelle als Betriebsratsvorsitzende wurde frei und musste neu besetzt werden. Man hat mir diese Stelle angeboten.

Und nun bin ich seit über 32 Jahren Betriebsratsvorsitzender. 2 Jahre später kam ich in den Aufsichtsrat, so dass ich dieses Jahr auch mein 30-jähriges Jubiläum als Mitglied des Aufsichtsrats feiere…

IMPULS: Was ist Ihr Erfolgsgeheiminis, dass Sie so eine lange Zeit in ihrem Amt bestätigt wurden? 

SIMINA: Meine Arbeit macht mir einfach Spaß. Und ich versuche immer nah an den Menschen zu sein, die hier arbeiten. Obwohl ich viel unterwegs bin, ist es mir wichtig, meinen Terminkalender nicht mit Terminen voll zu planen, sondern mir für jeden Zeit zu nehmen, mit den Menschen zu reden, ihre Bedürfnisse und Anliegen aufzunehmen. Wenn ich ins Lager gehe, ziehe ich nie einen Anzug an, obwohl ich Anzüge sehr mag, sondern eine Jeans. Ich will nicht abgehoben sein, sondern mein gutes Gespür für die Menschen behalten.

IMPULS: Wie können Sie als Betriebsratsvorsitzender die Firmenpolitik bestimmen? 

SIMINA: Ich habe in meiner Laufbahn viele Vorstände kommen und gehen sehen. In meiner Funktion als Betriebsratsvorsitzender Hugo Boss_2sehe ich mich als Bindeglied zwischen den Mitarbeitern und den Vorständen, wobei ich das Sprachrohr in beide Richtungen bin. Und beides muss Hand in Hand gehen. Nur gemeinsam kann man etwas bewegen und erreichen. Und in den letzten 30 Jahren haben wir viel erreicht: man denke nur an die flexiblen Arbeitszeitmodelle, das Abkommen über die Standortsicherung (bis 2020 darf der Standort Metzingen nicht eine Mitarbeiter- zahl von 2.500 Mitarbeitern unterschreiten), die Sozialleistungen wie die Betriebsrente, generell die weltweit geltenden Sozialstandards und so vieles mehr. Wir haben uns immer so aufgestellt, wie es für den Standort und für das Unternehmen wichtig war und nicht nur stur nach Tarifverträgen gehandelt. Mein größtes Interesse ist es, dass die Produktion und das Know-How hier in Metzingen aufrechterhalten wird, dies impliziert auch die 350 Mitarbeiter hier in der Produktion.

IMPULS: Sie haben gerade die hohen Sozialstandards und um- fangreichen Sozialpakete angesprochen. Sie tun sehr viel für das Wohl ihrer Mitarbeiter. Vor allem auch im Bereich Gesundheit. 

SIMINA: Gesundheit hat bei uns oberste Priorität. Nur in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist. Und wir wollen, dass sich die Mitarbeiter bei uns wohl fühlen. Die Fluktuation soll so niedrig wie möglich gehalten wer- den. Unser Hugo Boss-Fitnesscenter auf dem Firmengelände ist 7 Tage die Woche geöffnet, es gibt eine Laufgruppe, die in der Mittagszeit im Wald joggen geht. Wir bieten diverse Fitness-Kurse an und in der Sommerzeit kann draußen Beach- Volleyball oder Fußball gespielt werden. Auch gesunde Ernährung spielt dabei eine große Rolle: unser Gelände verfügt über mehrere Mitarbeiter-Cafés und Kantinen, die gesundes Essen anbieten (auch laktosefreie Milch u.ä.). Ergonomische Sitzstühle habe ich schon vor Jahren in der Produktion eingeführt, und der Betriebsarzt ist heute jeden Tag hier verfügbar. Natürlich bieten wir unseren Mitarbeitern passend dazu flexible Arbeitszeitmodelle, und das danken sie uns. Unsere Mitarbeiter identifizieren sich sehr stark mit unserem Unternehmen und ihrer Arbeit.

IMPULS: Ist das das Erfolgsmodell von Hugo Boss? 

SIMINA: Ganz sicher ja. Und vor allem Frauen schätzen die Möglichkeiten, die sie bei uns nutzen können.

IMPULS: Sie meinen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? 

SIMINA: Ja, wir haben hier 1900 Frauen. Davon gehen allein dieses Jahr 90 Frauen in Mutterschutz, das ist ein absoluter Rekord! Wir haben mit der Stadt Metzingen eine Kooperation, im Rahmen dessen 2 Metzinger Kindergärten 50 Plätze allein für Hugo Boss – Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Diese Kindergartenplätze werden bezuschusst, Voraussetzung ist natürlich, dass beide Elternteile berufstätig sind.

IMPULS: Wie sieht es mit Elternzeit aus? 

SIMINA: Elternzeit wird auch bei Männern immer beliebter. Viele unserer männlichen Mitarbeiter gönnen sich diese intensive Zeit mit ihrer Familie und diese Entwicklung freut uns sehr. Dank unserer familienfreundlichen Politik kehren die Frauen bereits nach kurzer Zeit wieder in ihren Beruf zurück, meist schon nach 6 -12 Monaten. Dies wirkt sich positiv auf die Produktivität unseres Unternehmens aus.

IMPULS: Da wir gerade von Frauen sprechen, ist Frauenquote ein Thema bei Hugo Boss? 

SIMINA: Die Frauenquote ergibt sich bei uns auf ganz natürlichem Weg. Unser Unternehmen besteht aus 70% Frauen, 30 % Männern. Und der Betriebsrat wird von Mitarbeitern gewählt. Bei uns haben Frauen es selbst in der Hand, wer an der Spitze des Unternehmens steht und die Fäden in der Hand hält. Es liegt an ihnen diese Chance positiv für sich zu nutzen. Ich würde mal sagen, bei uns bräuchte man viel mehr eine Männerquote (lacht…) Hugo Boss_3

IMPULS: Wir haben in diesem Gespräch schon viel über Ihre Erfolge erfahren, gibt es noch Themen, an denen Sie gerne noch weiter arbeiten würden bzw. welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt? 

SIMINA: Ein betriebseigener Kindergarten oder KITA auf dem Hugo Boss Gelände wäre ein Herzensprojekt von mir. Ansonsten wünsche ich mir und unseren Mitarbeitern weltweit: Die Arbeit soll Spaß machen. Und ich werde alles daran setzen, dass das weiter so bleibt.

IMPULS: Herr Simina, wir danken Ihnen ganz herzlich für dieses Gespräch. 

Categories:   Allgemein, Mode, Stadtgeflüster, Unternehmen

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